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Mexiko von Jan Hennings PDF Drucken E-Mail
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Dienstag, 8. Juli 2008

Mexiko von Jan Hennings

Mexiko

Im regnerischen November 1998 haben wir uns ganz spontan entschlossen, das Hamburger Schmuddelwetter einzutauschen gegen ein bißchen Sonnenschein. Nach ein paar Abenden im Netz haben wir uns dann zum Flughafen aufgemacht, um mal vor Ort die Angebote zu sichten. Nachdem wir schon unzählige Male unseren Text heruntergespult hatten (”Wir suchen etwas für 2 Personen, 2 Wochen, über Weihnachten und Sylvester, möglichst sonnig und warm…..”), waren wir schon etwas überfrachtet mit Angeboten für die Dominikanische Republik (da wollten wir aber leider nicht hin!) und kamen an einen Stand, der etwas abseits liegt (Buy-Bye). Wir hatten gerade wieder angesetzt um unseren Spruch aufzusagen …

“Wir suchen etwas für 2 Personen, 2 Wochen …”

“Mexiko”

“Wie, Mexiko, wir waren noch nicht fertig”

“Ist egal, heute gibt’s eigentlich bei mir nur Mexiko … ist der Renner”.

Na ja gut, wir haben uns das Hotel angesehen und zwei Wochen später saßen wir im Flieger nach Cancún …

War eben “der Renner”.

Glücklicherweise war eine Arbeitskollegin von mir gerade ein paar Monate vor uns dort in der Nähe gewesen. Sie hat mich gleich mit Reiseführern, Einkaufstips und Durchfallmittel ausgestattet (Danke Silke!). Der Flughafen von Cancún empfing uns mitten in der Nacht mit einem tropischen Regenschauer ungeahnten Ausmaßes. Na das waren ja feine Aussichten - das hatte so überhaupt nichts mit den traumhaften Sonnenuntergängen und Stränden zu tun, die ich mir so vorgestellt hatte. Aber nach 20 Minuten war der Spuk vorbei und die Nacht umfing uns mit ungewohnter Wärme.

Im Bus ging es dann auch gleich weiter zu sogenannten Hotel-Zone in Cancún. Dort angekommen wurden die übernächtigt aussehenden Gestalten nach und nach auf die Hotels verteilt. Es war stockfinstere Nacht und alles war durch das orangefarbene Licht der Straßenlaternen ausgeleuchtet. Wir haben nur noch unseren Zimmerschlüssel in Empfang genommen und unsere Koffer aufs Zimmer geschleppt. Am nächsten Morgen wurde ersteinmal ein verschlafener Blick vom Balkon geworfen, um festzustellen, wo wir gelandet waren. Das Hotel “Imperial Lagoon” war in Ordnung für einen Urlaub, der sich nicht auf die Hotelanlage konzentrieren sollte.

Nach dem morgendlichen Herrichten und Restaurieren ging’s ab zum Frühstück. Unter einem Palmendach an der Lagune, gleich hinter dem Hotel , gab es dann das Frühstück, das uns für zwei Wochen begleiten sollte. Fast immer Eier (…fried eggs, scrambled eggs oder eggs mexican-style…) mit ein paar Scheiben Toast. Dazu dann frischen Kaffee, der überraschenderweise richtig gut schmeckte (wer kennt das nicht, Kaffee im Urlaub - auweia). Als erstes mußte ein Mietwagen her, damit wir auch außerhalb von Cancún mobil waren. Das Verkehrsnetz in Cancún selbst ist wirklich klasse! Für nicht mal eine Mark läßt sich die gesamte Hotel-Zone (immerhin gute 20 Kilometer) in einer Richtung befahren. Aber wer in diese Gegend fährt, sollte nicht nur auf die traumhaften Strände ein Auge werfen, sondern auch auf die kulturellen Sehenswürdigkeiten - es lohnt sich !

Chichén Itza

Chichén Itza ist wohl die berühmteste Maya-Stadt in Mexico. Im Vergleich zu anderen Orten verfügt Chichén Itza über riesige Bauwerke. Die Pyramide von Kukulcán (auch Quetzalcóatel), das Observatorium, der Ballspielplatz und der Tempel der Krieger.

Der Besucher von Chichén Itza steht schon wenige Schritte nach Betreten der Anlage direkt vor der großen Pyramide. Sie kann in ihrer Höhe zwar nicht mit der Pyramide in Cobá konkurrieren, aber ihre Wirkung wird dadurch verstärkt, daß sie ganz allein auf einem riesigen Platz steht.

Der Aufstieg fällt wie immer leichter als der Abstieg. Oben angekommen bietet sich ein wunderschöner Blick auf den Tempel der Krieger, das Feld der tausend Säulen, den Ballspielplatz, den Tempel der Jaguare, die Schädelmauer und viele weitere Bauwerke.

Ein sehr interessantes Phänomen läßt sich an den Sonnenwendtagen (21.03. und 23.09.) beobachten. Auf die Stufen der Pyramide, die dem Schlangengott Quetzalcóatel geweiht ist, fällt der Schatten der Pyramidenkante, genauso, daß er an die unten am Fuß der Treppe befindlichen Schlangenköpfe anschließt. Durch die Bewegung der Sonne sieh es dann im Verlauf des Tages so aus, als würde sich eine Schlange aus dem Tempel an der Spitze der Pyramide heraus und die Treppe herunter bewegen.

Eine zweite Besonderheit läßt sich das ganze Jahr über beobachten. Stellt man sich etwas östlich der Venus-Plattform an Rand des Platzes auf und klatscht in die Hände, hat man den Eindruck aus dem Tempel auf der Pyramide würde ein spitzer Schrei ausgestoßen werden.

Für die Besichtigung von Chichén Itza sollte man mindestens einen ganzen Tag einplanen. Das Gelände ist zwar nicht sehr groß, sodaß man zu Fuß in maximal einer halben Stunde von einer Sehenswürdigkeit zur anderen kommt, aber diehaben es nun mal in sich. Es ist schon unglaublich auf dem riesigen Ballspielplatz zu stehen und sich die Maya-Mannschaften vorzustellen, die hier einmal gegeneinander gekämpft haben. In der Spielfeldmitte am Rand des Feldes sind die Szenen, die nach Abschluß eines Spiels stattfanden sehr plastisch dargestellt. Je länger man auf diese in Stein gehauenen Köpfungsszenen starrt, um so fester wird die Gänsehaut.

Cobá

Die Stadt Cobá war eine der größten Siedlungen der Maya in Yucatán. Bisher ist aber nur ein ganz geringer Teil der Bauten freigelegt worden. Während man durch die Ruinen von Cobá schlendert kann man links und rechts des Weges die Überreste von Gebäuden erkennen, die fast komplett vom dicken Grün des Walds verschluckt worden sind. Nimmt man sich Tulum und Cobá für einen Tag vor, so ist es ratsam, für die Strecke ein kleines, zeitliches Polster einzurechnen, da die Straße nach Cobá mehr Schlaglöcher als Asphalt aufweist.

Der Gegensatz zwischen den beiden Stätten ist einfach unglaublich, Tulum mit seinem getrimmten Rasen und Cobá noch bis über beide Ohren im Wald versteckt. In Cobá findet sich eine der höchsten Pyramiden Yucatáns. Mit 42m Höhe und 120 Stufen stellt die Pyramide eine echte Herausforderung dar, die man aber erst erkennt, wenn man oben angekommen ist und den Blick den steilen Aufstieg hinabschweifen läßt.

Der Ausblick über das grüne Dach des Waldes, der von der Spitze der Pyramide aus zu geniessen ist entschädigt aber bei weitem für alle Anstrengungen!

In Cobá gibt noch einen kleinen Ballspielplatz, der sich aber nicht mit der Anlage in Chichén Itza vergleichen läßt. Insgesamt ist das Gelände sehr weitläufig und aufgrund der in der Nähe befindlichen Seen sollte man mit Moskitoattaken rechnen.

Die Wege in der Anlage sind sehr gut zu begehen und bieten durch die dichte Vegetation tagsüber einen guten Sonnenschutz. Wie bei allen Ausgrabungsstätten ist daran zu denken, daß es in den Anlagen keine Getränke zu kaufen gibt - also einen guten Vorrat in den Rucksack!

Tulum

Unser erster Ausflug hat uns dann auch gleich an eine der schönsten Maya-Stätten in Yucatan geführt. Der relativ kleine, überschaubare Ausgrabungsort Tulum liegt direkt an der Karibik an einer wunderschönen Steilküste. Tulum ist ungefähr 130 Kilometer von Cancún entfernt und mit dem Auto in etwas mehr als einer Stunde zu erreichen. Da das Gelände relativ klein ist sollte man sich für die zweite Hälfte des Tages noch einen weiteren Programmpunkt vornehmen. Hier kann ich entweder den Unterwasserpark Xel-Ha oder die Ausgrabungsstätte Cobá empfehlen. Die Anlage in Tulum ist ungeheuer gepflegt.

Der Rasen hat schon fast Golfplatzqualitäten und überall blühen Sträucher, Büsche und Bäume. Die Kombination aus den Maya-Bauten, der Vegetation und dem türkisblauen Karibikwasser ist einfach umwerfend! Jedes Gebäude trägt Verzierungen an den überraschendsten Stellen. Diese Häuserecke mit dem Gesicht des überall zu sehenden Gottes Kukulcán machte einen recht grimmigen Eindruck Die zentrale Position in Tulum nimmt das “El Castillo” ein. Entlang seiner Mittelachse sind einige weitere Gebäude in Tulum ausgerichtet.

Wenn Du größere Touristenmengen umgehen möchtest, solltest Du hier lieber nicht vorbeischauen (es lohnt sich aber trotzdem!). Eine optimale Uhrzeit kann ich Dir für den Besuch nicht raten, aber wahrscheinlich ist es am frühen Morgen noch sehr ruhig.

Der alte Hafen von Tulum hat einen wunderschönen Sandstrand und lädt zum Baden geradezu ein. Also bei Interesse Badehose und Handtuch einpacken!

Und wo wir gerade beim Packen sind - wie fast überall, gibt es auch hier in der Anlage keine Imbißstände an denen man Getränke kaufen könnte.

Uxmal

Ungefähr 400 Kilometer von Cancún entfernt liegt eine Ausgrabungsstätte, die sich durchaus mit den imposanten Bauten von Chichén Itzá messen lassen kann. Mit dem Mietwagen läßt sich die Strecke nach Uxmal problemlos bewältigen, da die Autobahnverbindung nach Merida sehr gut ist. Trotzdem eignet Uxmal nicht als Tagesausflugsziel. Eine Übernachtung sollte schon eingeplant werden. Wie aber auch in Chichén Itzá ist hier die Anzahl der Hotelbetten relativ beschränkt.

Wir haben in der Mission Uxmal Park Inn geschlafen und haben, als wir nachts um 0 Uhr ankamen gerade noch ein Zimmer in ziemlich feuchten Erdgeschoß bekommen. Für einen längeren Aufenthalt kann ich das Haus nicht empfehlen; für eine Übernachtung ist’s aber ok. Besonders stark ist die Erinnerung an einen nächtlichen Gast, der mit Vorliebe in den heruntergefallenen, vertrockneten Blättern der eingegangenen Zimmerpflanze gewühlt, sobald das Licht ausgeschaltet wurde. Bis heute weiß ich nicht, was für ein Tier das war. Die Vermutung liegt aber nahe, daß sich um einen kleinen Gecko gehandelt hat.

Vom Hotel aus sind die Ruinen von Uxmal sogar zu Fuß zu erreichen (ca. 1 km). Von der Terrasse des Hotels hat man einen guten Blick auf die höheren Bauten, die sich über das dunkelgrüne Dach der Vegetation erheben.

Vom Touristenzentrum an Eingang der Anlage gelangt man mit wenigen Schritten an die erste große Sehenswürdigkeit von Uxmal. Die Pyramide des Wahrsagers bzw. der Templo del Enanao (Tempel des Zwerges) weicht in seiner Form von allen Maya-Bauten ab, die ich gesehen habe. Der ovale Grundriß macht diese Pyramide zu einem wirklichen Einzelstück der Maya-Architektur. Wie viele andere Pyramiden, so ist auch diese über die Jahrhunderte langsam gewachsen, d.h. eine kleinere Pyramide wurde immer wieder mit einer etwas größeren Pyramide überbaut, bis die heutige Form erreicht wurde.

Gleich hinter der Pyramide des Wahrsagers liegt das sog. Nonnenviereck - ein rechteckiger Bau mit einem großen Innenhof, der mit den von ihm abgehenden kleinen Türen die spanischen Eroberer an ein Nonnenkloster erinnerte. Besonders schön sind in diesem Bauwerk die Verzierungen, die im oberen Gebäudedrittel angebracht wurden. Ähnliche Muster finden sich an gleicher Stelle auch am beeindruckendsten Bauwerk in Uxmal wieder.

Auf einer Anhöhe liegt wirklich riesiger Bau, dessen Funktion ebenso im Dunkeln liegt, wie der fast aller anderen Gebäude in Uxmal. Die spanischen Eroberer waren jedenfalls so beeindruckt, daß sie dem Gebäude den Namen Palast des Gouverneurs verliehen. Auch hier fällt auf, daß die Erfindung der Fenster an den Maya spurlos vorüberging. Es gibt zwar Öffnungen im Gebäude, die dienen aber jeweils zum Betreten und Verlassen der einzelnen Räume (die man nur betreten sollte, wenn man eine relativ unempfindliche Nase hat! Einige Menschen scheinen das Gebäude für eine öffentliche Toilette zu halten.). Licht wurde in diese dunklen Löcher über kleine Öllämpchen gebracht.

Zwischen dem Nonnenviereck und dem Palast des Gouverneurs liegt ein Haus das aufgrund seines etwas verspielten Dachsimses als Haus der Schildkröten bezeichnet wird. Das ansonsten unspektakuläre kleine Haus wird kurz unterhalb des Daches von eine Vielzahl von verschiedenen, sehr schönen Schildkröten-Reliefs umgeben.

Hinter dem Palast liegt die sogenannte große Pyramide von Uxmal. Besonders erwähnenswert ist die riesige, breite Treppe die zum Tempel an der Spitze der Pyramide führt. Von hier aus kann man seinen Blick sehr gut über die gesamte Anlage schweifen lassen.

Im Westen der Pyramide liegt ein Gebäude, das einen sehr seltsamen Namen trägt. Das Haus der alten Frau ist an sich kein besonders hervorstechender Bau. Das Einzige, was diesen Punkt besonders macht, ist die Ansammlung von steinernen Phalli, die sich sozusagen im Garten des Hauses befinden. Kann mir jemand erklären, warum sich eine alte Frau den ganzen Garten voll mit aufrecht stehenden Granit-Penissen stellen sollte? Waren das etwa Erinnerungen an alte Zeiten? Mir ist’s schleierhaft.

Mit freundlicher Genehmigung von Marlen und Ireen. Besuchen Sie auch mal die Webseite:

Mexiko von Jan Hennings

Quelle und mehr

 
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